Victor-Marie Vicomte Hugo
- 26.02.1802 in Basçon, Frankreich
- 22.05.1885 in Paris
- Studium
- Schriftsteller, Politiker
- 5
- Paris
- Lugenentzündung
Kurzbiographie
Victor Hugo durchlebte eine unruhige Kindheit. Er wuchs eine lange Zeit in Paris auf, lebte jedoch auch bei seinem Vater in Madrid und Neapel. Das Schreiben begann er schon mit etwa 10 Jahren, bevor er im Alter von 16 Jahren ein Studium der Rechtswissenschaften startete. Noch im selben Jahr gründete er zusammen mit seinen Brüdern die Zeitschrift „Le Conservateur littéraire“.
Lebenslauf (verfasst durch KI)
| Jahr | Alter | Ereignis |
|---|---|---|
| 1802 | 0 | 26. Februar: Geburt als Victor-Marie Hugo in Besançon. Sein Vater Joseph-Léopold Hugo ist Offizier der französischen Armee, seine Mutter Sophie Trébuchet stammt aus Nantes. |
| 1804 | 2 | Napoleon Bonaparte wird Kaiser der Franzosen. Hugos Vater macht Karriere in der napoleonischen Armee. |
| 1808 | 6 | Sein Vater wird zum General befördert. Victor erlebt durch die militärischen Tätigkeiten des Vaters bereits früh verschiedene Länder und politische Verhältnisse. |
| 1809 | 7 | Hugos Mutter zieht mit ihren drei Söhnen nach Paris. Victor wächst fortan überwiegend bei seiner Mutter auf. |
| 1811 | 9 | Hugo lebt zeitweise in Spanien, wohin sein Vater als General berufen worden war. |
| 1812 | 10 | Rückkehr nach Paris. Hugo besucht das Lycée Louis-le-Grand und beginnt sich intensiv mit Literatur zu beschäftigen. |
| 1816 | 14 | Hugo beschließt, Schriftsteller zu werden. Er schreibt bereits Gedichte und literarische Texte. |
| 1817 | 15 | Teilnahme an einem Wettbewerb der Académie française. Sein außergewöhnliches Talent wird erstmals einer breiteren literarischen Öffentlichkeit bekannt. |
| 1819 | 17 | Gründung der Zeitschrift Le Conservateur littéraire gemeinsam mit seinem Bruder Abel. Im selben Jahr erhält Hugo eine Auszeichnung der Académie des Jeux floraux in Toulouse. |
| 1820 | 18 | König Ludwig XVIII. gewährt Hugo eine Pension für eine Ode auf den Tod des Herzogs von Berry. Hugo ist zu diesem Zeitpunkt überzeugter Royalist. |
| 1821 | 19 | Tod seiner Mutter Sophie Hugo. Der Verlust prägt den jungen Schriftsteller. |
| 1822 | 20 | 12. Oktober: Heirat mit seiner Jugendfreundin Adèle Foucher. Veröffentlichung seines ersten Gedichtbandes Odes et poésies diverses. |
| 1823 | 21 | Veröffentlichung seines ersten Romans Han d’Islande. |
| 1824 | 22 | Geburt seines ersten Kindes, der Tochter Léopoldine. |
| 1825 | 23 | Hugo wird zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und erhält zunehmend Anerkennung in den literarischen Kreisen Frankreichs. |
| 1826 | 24 | Veröffentlichung von Bug-Jargal und Odes et Ballades. |
| 1827 | 25 | Veröffentlichung von Cromwell. Die umfangreiche Vorrede wird zu einem wichtigen Manifest der französischen Romantik. |
| 1828 | 26 | Tod seines Vaters, General Joseph-Léopold Hugo. |
| 1829 | 27 | Veröffentlichung von Les Orientales und Le Dernier Jour d’un condamné. Letzteres Werk richtet sich gegen die Todesstrafe. Sein Drama Marion de Lorme wird von der Zensur verboten. |
| 1830 | 28 | 25. Februar: Uraufführung von Hernani. Der sogenannte „Hernani-Streit“ zwischen Anhängern der Romantik und des klassischen Theaters macht Hugo zum führenden Vertreter der französischen Romantik. |
| 1830 | 28 | Beteiligung am geistigen Umfeld der Julirevolution, die Karl X. stürzt und die Julimonarchie begründet. Hugo entwickelt sich politisch zunehmend vom Royalisten zum Liberalen. |
| 1831 | 29 | Veröffentlichung von Notre-Dame de Paris (Der Glöckner von Notre-Dame). Der Roman macht Hugo international bekannt und stärkt sein Engagement für den Erhalt historischer Bauwerke. |
| 1832 | 30 | Geburt seiner Tochter Adèle, seines vierten Kindes. |
| 1833 | 31 | Hugo lernt die Schauspielerin Juliette Drouet kennen. Sie wird seine lebenslange Geliebte und enge Vertraute. |
| 1835 | 33 | Veröffentlichung von Claude Gueux, einer sozialkritischen Erzählung, die sich mit Armut, Strafvollzug und der Todesstrafe beschäftigt. |
| 1837 | 35 | Hugo wird zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. |
| 1838 | 36 | Uraufführung von Ruy Blas, einem seiner bedeutendsten Dramen. |
| 1840 | 38 | Veröffentlichung des Gedichtbandes Les Rayons et les Ombres. |
| 1841 | 39 | Aufnahme in die Académie française. Hugo erreicht damit einen der höchsten Ränge des französischen literarischen Lebens. |
| 1843 | 41 | 4. September: Hugos Tochter Léopoldine und ihr Ehemann Charles Vacquerie ertrinken bei einem Bootsunglück in der Seine. Hugo erfährt während einer Reise von ihrem Tod. Der Verlust erschüttert ihn zutiefst. |
| 1843–1845 | 41–43 | Hugo zieht sich weitgehend aus dem öffentlichen literarischen Leben zurück und verarbeitet den Tod seiner Tochter. |
| 1845 | 43 | Ernennung zum Pair von Frankreich durch König Louis-Philippe. Hugo wird damit unmittelbar Teil der französischen Politik. |
| 1846 | 44 | Hugo entwickelt sich politisch zunehmend in Richtung Liberalismus und sozialer Reformen. Er setzt sich insbesondere gegen die Todesstrafe und soziale Ungerechtigkeit ein. |
| 1848 | 46 | Februar: Revolution in Frankreich. Sturz Louis-Philippes und Gründung der Zweiten Republik. Hugo wird politisch aktiv für die neue Republik. |
| 1848 | 46 | Juni: Wahl in die Nationalversammlung. Hugo nimmt an den politischen Auseinandersetzungen der Zweiten Republik teil. |
| 1848 | 46 | Während der Juni-Aufstände spricht sich Hugo gegen die gewaltsame Niederschlagung aus, lehnt aber zugleich den revolutionären Aufstand ab. |
| 1849 | 47 | Hugo wird erneut Abgeordneter. Er hält eine berühmte Rede gegen die soziale Not und fordert Maßnahmen gegen Armut. |
| 1849 | 47 | Hugo leitet den Internationalen Friedenskongress in Paris und spricht sich für eine friedliche europäische Zusammenarbeit aus. |
| 1850 | 48 | Seine politischen Positionen entfernen ihn zunehmend von Louis-Napoléon Bonaparte und den konservativen Kräften. |
| 1851 | 49 | 2. Dezember: Louis-Napoléon Bonaparte führt einen Staatsstreich durch. Hugo beteiligt sich am Widerstand gegen den Staatsstreich. |
| 1851 | 49 | Nach dem Scheitern des Widerstands muss Hugo Frankreich verlassen. Beginn seines fast 19 Jahre dauernden Exils. |
| 1852 | 50 | Hugo veröffentlicht Napoléon le Petit, eine scharfe Abrechnung mit Louis-Napoléon Bonaparte. |
| 1852 | 50 | Hugo lässt sich zunächst in Brüssel, später auf den Kanalinseln nieder. |
| 1853 | 51 | Veröffentlichung von Les Châtiments, einer Sammlung politischer Gedichte gegen Napoleon III. |
| 1855 | 53 | Hugo lässt sich auf Guernsey nieder, wo er einen großen Teil seines weiteren Exils verbringt. |
| 1856 | 54 | Veröffentlichung von Les Contemplations. Das Werk enthält zahlreiche Gedichte über Liebe, Erinnerung, Tod und Trauer und verarbeitet besonders den Tod Léopoldines. |
| 1859 | 57 | Beginn der Veröffentlichung von La Légende des siècles, einem umfangreichen poetischen Werk über die Geschichte und Entwicklung der Menschheit. |
| 1862 | 60 | Veröffentlichung von Les Misérables. Der Roman wird zu einem internationalen Bestseller und zu einem der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. |
| 1864 | 62 | Veröffentlichung von William Shakespeare, einer literaturtheoretischen und biografischen Schrift über Shakespeare und die Rolle des Genies in der Literatur. |
| 1866 | 64 | Veröffentlichung von Les Travailleurs de la mer (Die Arbeiter des Meeres). |
| 1869 | 67 | Veröffentlichung von L’Homme qui rit (Der lachende Mann). |
| 1870 | 68 | 4. September: Nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg wird Napoleon III. gestürzt und die Dritte Republik ausgerufen. Hugo kehrt nach fast 19 Jahren Exil nach Frankreich zurück. |
| 1870 | 68 | Hugo wird bei seiner Rückkehr in Paris begeistert empfangen und zu einer Symbolfigur der neuen Republik. |
| 1871 | 69 | Wahl in die Nationalversammlung. Hugo setzt sich weiterhin für republikanische und humanistische Positionen ein. |
| 1871 | 69 | Tod seines Sohnes Charles Hugo. |
| 1871 | 69 | Während der Pariser Kommune setzt sich Hugo für politische Gefangene und eine Versöhnung der französischen Gesellschaft ein. |
| 1872 | 70 | Hugo kandidiert erneut für die Nationalversammlung, scheitert jedoch bei der Wahl. |
| 1873 | 71 | Tod seines Sohnes François-Victor Hugo. |
| 1874 | 72 | Veröffentlichung von Quatrevingt-treize (93), seinem letzten vollendeten Roman. Das Werk spielt während der Französischen Revolution. |
| 1876 | 74 | Wahl zum Senator der Französischen Republik. Hugo setzt sich im Senat unter anderem für die Amnestie der wegen ihrer Beteiligung an der Pariser Kommune Verurteilten ein. |
| 1877 | 75 | Veröffentlichung weiterer Teile von La Légende des siècles sowie von L’Art d’être grand-père. |
| 1878 | 76 | Hugo erleidet eine schwere gesundheitliche Krise. Trotz seines hohen Alters bleibt er literarisch und politisch aktiv. |
| 1880 | 78 | Frankreich gewährt den Kommunarden eine umfassende Amnestie. Hugo hatte sich jahrelang dafür eingesetzt. |
| 1881 | 79 | Frankreich feiert Hugos 80. Geburtstag mit großen öffentlichen Feierlichkeiten. Er ist inzwischen eine nationale Symbolfigur. |
| 1882 | 80 | Hugo wird erneut zum Senator gewählt. |
| 1883 | 81 | Veröffentlichung des letzten Teils von La Légende des siècles. |
| 1883 | 81 | 11. Mai: Tod von Juliette Drouet, die Hugo fast fünf Jahrzehnte lang begleitet hatte. |
| 1884 | 82 | Hugo zieht sich zunehmend aus dem politischen Alltag zurück, bleibt jedoch eine der berühmtesten Persönlichkeiten Frankreichs. |
| 1885 | 83 | 22. Mai: Victor Hugo stirbt in Paris im Alter von 83 Jahren. |
| 1885 | 83 | Die französische Regierung beschließt ein Staatsbegräbnis. |
| 1885 | 83 | 1. Juni: Beisetzung im Panthéon in Paris. Hunderttausende Menschen begleiten den Trauerzug. Hugo wird damit endgültig zu einer nationalen Ikone Frankreichs. |
Politische Entwicklung
Royalist → Liberaler → Republikaner → Verfechter sozialer Reformen
Jugend:
→ überzeugter Royalist
→ Unterstützung der Bourbonenmonarchie
1830er Jahre:
→ zunehmender Liberalismus
→ Kritik an Zensur und politischer Unterdrückung
1840er Jahre:
→ stärkeres soziales Engagement
→ Kampf gegen Todesstrafe und Armut
1848:
→ Abgeordneter der Zweiten Republik
1851:
→ entschiedener Gegner des Staatsstreichs Louis-Napoléon Bonapartes
→ Exil
Exil:
→ radikaler Republikaner
→ Gegner Napoleon III.
1870er Jahre:
→ überzeugter Vertreter der Republik
→ Einsatz für politische Gefangene, Amnestie und soziale Gerechtigkeit
Die wichtigsten Wendepunkte seines Lebens
1802 – Geburt in einer politisch gespaltenen Familie
↓
1816–1822 – außergewöhnlich früher literarischer Aufstieg
↓
1830 – Hernani macht ihn zum Anführer der Romantik
↓
1831 – Notre-Dame de Paris macht ihn international berühmt
↓
1841 – Aufnahme in die Académie française
↓
1843 – Tod seiner Tochter Léopoldine
↓
1845–1849 – Eintritt in die aktive Politik
↓
1851 – Widerstand gegen den Staatsstreich und Beginn des Exils
↓
1856 – Les Contemplations
↓
1862 – Les Misérables
↓
1870 – Rückkehr nach Frankreich nach 19 Jahren Exil
↓
1876 – Senator der Republik
↓
1881 – 80. Geburtstag als nationales Ereignis
↓
1885 – Tod und Beisetzung im Panthéon
Victor Hugo in Zahlen
83 Jahre – Lebensalter
19 Jahre – Dauer seines Exils
5 Kinder – mit Adèle Foucher
1 Tochter – Léopoldine – deren Tod sein Leben nachhaltig prägte
fast 50 Jahre – Beziehung zu Juliette Drouet
mehrere tausend – überlieferte Zeichnungen
zahlreiche Romane, Dramen und Gedichtbände – darunter mehrere Werke der Weltliteratur
1885 – Staatsbegräbnis und Beisetzung im Panthéon
Familie (verfasst durch KI)
| Person | Bedeutung |
|---|---|
| Joseph-Léopold-Sigisbert Hugo | Vater; General der napoleonischen Armee |
| Sophie Trébuchet | Mutter; politisch anders geprägt als Hugos Vater |
| Adèle Foucher | Ehefrau ab 1822; Mutter seiner Kinder |
| Léopoldine Hugo | älteste Tochter; starb 1843 mit 19 Jahren bei einem Bootsunglück |
| Charles Hugo | Sohn; Schriftsteller und politisch engagiert; starb 1871 |
| François-Victor Hugo | Sohn; Schriftsteller und Übersetzer; starb 1871 |
| Adèle Hugo | Tochter; später psychisch erkrankt und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in einer Einrichtung |
| Juliette Drouet | Schauspielerin und lebenslange Geliebte Hugos; begleitete ihn während seines Exils |
Letzte Ruhestätte
Ort: Panthéon
Adresse: Place du Panthéon
Beisetzung am 01.Juni 1885
Grab in der Krypta
Talente, Besonderheiten, Ehrungen & Mehr (verfasst durch KI)
Schriftsteller und Dichter
Victor Hugo war vor allem Schriftsteller, beherrschte jedoch außergewöhnlich viele literarische Formen. Er schrieb:
- Romane
- Gedichte
- Dramen
- politische Schriften
- Essays
- Reden
- Reiseberichte
- Briefe
- Tagebücher
Bedeutenste Werke
Romane
Han d’Islande – 1823
Bug-Jargal – 1826
Notre-Dame de Paris – 1831
Les Misérables – 1862
Les Travailleurs de la mer – 1866
L’Homme qui rit – 1869
Quatrevingt-treize – 1874
Dramen
Hugo war einer der wichtigsten Begründer der französischen Romantik im Theater.
Sein Drama Hernani löste 1830 den berühmten „Hernani-Streit“ aus. Die Auseinandersetzung zwischen Anhängern des klassischen Theaters und den Romantikern wurde zu einem symbolischen Kampf zwischen zwei Generationen und zwei Vorstellungen davon, wie Literatur aussehen sollte.
Cromwell – 1827
Hernani – 1830
Le Roi s’amuse – 1832
Lucrèce Borgia – 1833
Ruy Blas – 1838
Lyrik
Odes et Ballades – 1826
Les Orientales – 1829
Les Feuilles d’automne – 1831
Les Chants du crépuscule – 1835
Les Contemplations – 1856
La Légende des siècles – ab 1859
L’Art d’être grand-père – 1877
Politische und gesellschaftskritische Werke
Le Dernier Jour d’un condamné – 1829
Claude Gueux – 1834
Napoléon le Petit – 1852
Les Châtiments – 1853
Histoire d’un crime – 1877
Zeichner
Hugo war ein äußerst produktiver Zeichner.
Er hinterließ rund 4.000 Zeichnungen. Die Bibliothèque nationale de France bezeichnet seine grafische Arbeit als außergewöhnlich visionär und hebt hervor, dass Hugo damit auch als bildender Künstler eine eigenständige Bedeutung besitzt.
Viele seiner Zeichnungen entstanden während seines Exils. Hugo experimentierte mit ungewöhnlichen Techniken und schuf teilweise sehr dunkle, abstrakte und fast surreal wirkende Bilder.
Innenarchitekt und Gestalter
Hugo beschränkte seine Kreativität nicht auf Papier.
Während seines Exils gestaltete er Hauteville House auf Guernsey praktisch selbst zu einem Gesamtkunstwerk um. Möbel, Wanddekorationen, Holzarbeiten, Raumaufteilungen und zahlreiche Details wurden von ihm entworfen oder verändert.
Die Maison Victor Hugo beschreibt das Gebäude als eigenständiges Kunstwerk und als eine Art „Gedicht in mehreren Räumen“.
Architektonisches Interesse
Hugo hatte ein starkes Interesse an historischer Architektur und setzte sich für den Erhalt mittelalterlicher Bauwerke ein. Besonders sein Roman Notre-Dame de Paris trug dazu bei, das öffentliche Interesse an der mittelalterlichen Architektur Frankreichs zu verstärken.
Redner
Hugo war auch ein außergewöhnlich wirkungsvoller Redner.
Als Abgeordneter und Senator hielt er zahlreiche Reden zu Themen wie:
- Armut
- Todesstrafe
- Pressefreiheit
- Bildung
- Demokratie
- Menschenrechte
- politische Freiheit
- Frieden
Seine parlamentarischen Reden gehören zu einem wichtigen Teil seines politischen Vermächtnisses.
Besonderheiten
Vom Royalisten zum Republikaner
Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen seines Lebens:
Der junge Victor Hugo war überzeugter Royalist.
Er erhielt sogar eine staatliche Pension unter König Ludwig XVIII.
Der ältere Victor Hugo war dagegen ein überzeugter Republikaner und Gegner autoritärer Herrschaft.
Seine politische Entwicklung verlief damit von:
Royalismus → Liberalismus → Republikanismus
und macht ihn zu einem besonders interessanten politischen Zeitzeugen des 19. Jahrhunderts.
19 Jahre im Exil
Hugo verbrachte fast 19 Jahre außerhalb Frankreichs.
Nach dem Staatsstreich Louis-Napoléon Bonapartes 1851 floh er zunächst nach Brüssel, später nach Jersey und schließlich nach Guernsey.
Er weigerte sich, Napoleon III. anzuerkennen, und kehrte erst nach dessen Sturz 1870 nach Frankreich zurück.
Er besaß nur ein einziges Haus
Ein überraschender Fakt:
Hauteville House auf Guernsey war das einzige Haus, das Victor Hugo jemals selbst besaß.
Seine Wohnungen in Paris waren dagegen gemietet.
Hugo kaufte Hauteville House 1856 mit dem Geld, das er durch den Verkauf von Les Contemplations verdient hatte. Die Familie schenkte das Haus 1927 der Stadt Paris.
Er schrieb mit Blick auf das Meer
In Hauteville House richtete Hugo sich einen Arbeitsraum auf dem höchsten Teil des Hauses ein.
Ab 1862 arbeitete er in einem sogenannten Look-out, einem erhöhten Schreibraum mit Blick auf das Meer.
In dieser Umgebung entstanden einige seiner bedeutendsten Werke.
Les Misérables entstand im Exil
Eines der berühmtesten Bücher der Weltliteratur wurde nicht in Paris geschrieben.
Les Misérables entstand zu einem großen Teil während Hugos Exil auf Guernsey und wurde 1862 veröffentlicht.
Hauteville House wird heute ausdrücklich als Ort erinnert, an dem mehrere seiner großen Werke entstanden.
Der Tod seiner Tochter veränderte sein Werk
Der Tod seiner Tochter Léopoldine im Jahr 1843 war einer der größten persönlichen Einschnitte seines Lebens.
Sie ertrank mit ihrem Ehemann bei einem Bootsunglück.
Hugo zog sich danach zeitweise aus dem öffentlichen Leben zurück. Die Erinnerung an Léopoldine wurde später zu einem zentralen Motiv seiner Lyrik.
Eine fast 50-jährige Liebesbeziehung
Hugo war seit 1822 mit Adèle Foucher verheiratet.
1833 lernte er jedoch die Schauspielerin Juliette Drouet kennen.
Drouet wurde seine lebenslange Geliebte und blieb ihm bis zu ihrem Tod 1883 verbunden.
Ihre Beziehung dauerte damit fast 50 Jahre.
Ein außergewöhnlicher Briefeschreiber
Hugo schrieb im Laufe seines Lebens eine enorme Zahl von Briefen.
Besonders bekannt sind seine Briefe an Juliette Drouet. Die Beziehung zwischen beiden lässt sich dadurch ungewöhnlich detailliert nachvollziehen.
Europäischer Visionär
Bereits im 19. Jahrhundert sprach Hugo von der Idee eines zukünftigen vereinten Europas.
Auf dem Internationalen Friedenskongress 1849 in Paris entwarf er die Vision einer friedlichen europäischen Gemeinschaft und sprach von zukünftigen „Vereinigten Staaten von Europa“.
Damit nahm er eine politische Idee vorweg, die erst Jahrzehnte später konkrete institutionelle Formen annehmen sollte.
Gesellschaftliches Engagement
Victor Hugo war weit mehr als ein Schriftsteller.
Er setzte sich unter anderem ein für:
Abschaffung der Todesstrafe
Hugo war bereits mit Le Dernier Jour d’un condamné literarisch gegen die Todesstrafe aufgetreten und setzte sich später auch politisch dafür ein.
Rechte von Kindern
Er prangerte Kinderarmut und Kinderarbeit an.
Bildung
Er forderte kostenlose und verpflichtende Bildung.
Pressefreiheit
Hugo wandte sich wiederholt gegen Zensur und Einschränkungen der Presse.
Rechte der Frauen
Die französische Parlamentsbiografie zählt die Unterstützung der Frauenrechte ausdrücklich zu seinen politischen Anliegen.
Soziale Gerechtigkeit
Armut und soziale Ausgrenzung waren zentrale Themen seiner politischen Reden und literarischen Werke.
Humanerer Umgang mit Gefangenen
Hugo kritisierte das französische Strafsystem und die gesellschaftlichen Bedingungen, die Menschen in Kriminalität treiben konnten.
Frieden und europäische Zusammenarbeit
Er setzte sich für internationale Verständigung und eine friedlichere europäische Ordnung ein.
Ehrungen zu Lebzeiten
Académie française
1841 wurde Victor Hugo Mitglied der Académie française.
Bemerkenswert: Er war zuvor viermal gescheitert, bevor er schließlich gewählt wurde.
Ehrenlegion
Hugo wurde bereits in jungen Jahren in die Légion d’honneur aufgenommen.
1837 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion befördert.
Pair von Frankreich
1845 ernannte König Louis-Philippe Hugo zum Pair von Frankreich.
Damit gehörte er der Chambre des Pairs an.
Abgeordneter
Hugo war während der Zweiten Republik Mitglied der französischen Nationalversammlung und wurde später erneut politisch aktiv.
Senator
1876 wurde Hugo Senator der Dritten Republik.
Er blieb bis zu seinem Tod politisch tätig. Das französische Parlament erinnert bis heute an ihn als eine bedeutende Persönlichkeit seiner Geschichte.
Ehrungen nach seinem Tod
Staatsbegräbnis
Nach seinem Tod 1885 erhielt Hugo ein außergewöhnliches Staatsbegräbnis.
Seine Beisetzung wurde zu einem nationalen Ereignis und von einer gewaltigen Menschenmenge begleitet.
Panthéon
Hugo wurde am 1. Juni 1885 im Panthéon beigesetzt.
Damit wurde er endgültig zu einer der herausragenden Persönlichkeiten der französischen Nation.
Erinnerung im französischen Senat
Victor Hugo gehört bis heute zu den historischen Persönlichkeiten, an die der französische Senat mit einer eigenen Gedenkmedaille im Sitzungssaal erinnert.
Special Facts über Victor Hugo
1. Er war bereits als Teenager berühmt
Hugo begann außergewöhnlich früh mit dem Schreiben und wurde bereits als Jugendlicher von literarischen Institutionen ausgezeichnet.
2. Er war ein Multitalent
Hugo war gleichzeitig:
Dichter + Romancier + Dramatiker + Zeichner + Publizist + Redner + Politiker + Gestalter
Die BnF bezeichnet ihn entsprechend als Schriftsteller, politischen Vordenker, außergewöhnlich modernen bildenden Künstler und sogar als talentierten Architekten.
3. Er hinterließ rund 4.000 Zeichnungen
Damit wäre Hugo heute wahrscheinlich nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als bedeutender bildender Künstler bekannt.
4. Sein Haus wurde selbst zum Kunstwerk
Hauteville House ist kein gewöhnliches Dichterhaus. Hugo gestaltete es nahezu vollständig selbst und gab zahlreichen Räumen symbolische Bedeutungen.
5. Er lebte länger im Exil als viele Menschen damals überhaupt reisten
Von 1851 bis 1870 durfte beziehungsweise wollte Hugo nicht nach Frankreich zurückkehren.
6. Er kehrte als Nationalheld zurück
Nach fast 19 Jahren Exil wurde Hugo bei seiner Rückkehr 1870 begeistert empfangen.
7. Er war zu Lebzeiten bereits eine Legende
Als Hugo seinen 80. Geburtstag feierte, wurde dies in Frankreich zu einem großen öffentlichen Ereignis. Er war zu diesem Zeitpunkt längst mehr als ein Schriftsteller: Er war eine nationale Symbolfigur.
8. Sein politisches Leben umfasste mehrere französische Regime
Hugo erlebte und kommentierte:
- die napoleonische Zeit
- die Restauration
- die Julimonarchie
- die Revolution von 1848
- die Zweite Republik
- das Zweite Kaiserreich
- die Dritte Republik
Damit durchlebte er praktisch die gesamte politische Umbruchphase Frankreichs im 19. Jahrhundert.
9. Er schrieb gegen Napoleon III. aus dem Exil
Hugo machte aus seinem Exil eine politische Waffe. Bücher wie Napoléon le Petit und Les Châtiments machten ihn zu einem der bekanntesten Gegner des Zweiten Kaiserreichs.
10. Seine politische Karriere war ungewöhnlich lang
Er war Pair von Frankreich, Abgeordneter und Senator und blieb damit über mehrere politische Systeme hinweg parlamentarisch aktiv.
11. Er starb als nationaler Mythos
Seine Beisetzung war nicht einfach eine Beerdigung eines berühmten Schriftstellers. Frankreich veranstaltete ein nationales Ereignis zu Ehren eines Mannes, der inzwischen als Symbol für die Republik, Freiheit und französische Kultur galt.
12. Sein Nachlass ist riesig
Hugo hinterließ nicht nur Bücher, sondern auch Manuskripte, Briefe, Zeichnungen, Möbel, Fotografien und zahlreiche persönliche Gegenstände. Seine Hinterlassenschaften ermöglichen es heute, sein Leben ungewöhnlich detailliert zu rekonstruieren.
13. Er war ein begeisterter Gestalter seiner Umgebung
In Hauteville House findet man Möbel und Räume, die Hugo selbst entworfen, umgebaut oder dekoriert hat. Das Haus wird deshalb heute als eigenständiges Kunstwerk betrachtet.
14. Ein ungewöhnlicher Nachlass
Hugo hinterließ der französischen Nationalbibliothek einen bedeutenden Teil seiner Manuskripte und Dokumente. Die BnF besitzt deshalb heute außergewöhnlich umfangreiche Quellen zu seinem Leben und Werk.
Zitate
"Das Buch als Buch gehört dem Autor, aber als Gedanke gehört es - der Begriff ist keineswegs zu mächtig - der Menschheit. Jeder denkende Mensch hat ein Recht darauf. Wenn eines der beiden Rechte, das des Autors oder das des menschlichen Geistes, geopfert werden sollte, dann wäre es, zweifellos, das Recht des Autors, denn unsere einzige Sorge gilt dem öffentlichen Interesse, und die Allgemeinheit, das erkläre ich, kommt uns vor."
Victor Hugo, er war ein wichtiger Verfechter der Berner Übereinkunft
"Ich mache eine Bibel, keine göttliche Bibel, sondern eine menschliche Bibel. Ein mehrfaches Buch, das ein Jahrhundert zusammenfasst - das werde ich hinter mir lassen."
Victor Hugo in einem Brief am 09.12.1859
Metadaten
Quellen
Inhalt: Wikipedia
Titelbild von Jean Boucher – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8652782
Bild links von Étienne Carjat – Bibliothèque nationale de France, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28384247
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